Vorbereitungen

Texte für die Übersetzung vorbereiten

Manchmal hört man, dass die Aufgabe eines Übersetzers nur darin besteht, den zu übersetzenden Text in einer Zielsprache wiederzugeben, ohne andere, technische Aspekte berücksichtigen zu müssen. Dabei wird vergessen, dass die Übersetzung nur eine von vielen Tätigkeiten innerhalb einer Produktionskette darstellt. Denn der Text muss zunächst von jemandem geschrieben werden und dann evtl. von jemand anderem noch korrigiert, eher er abschließend übersetzt (öfters in vielen Sprachen gleichzeitig), wieder korrekturgelesen, veröffentlicht, gelesen wird usw., und dabei stets verständlich sein soll.

Damit also alles reibungslos läuft und das Ziel nicht verfehlt wird, finden Sie hier einige Tipps, wie Sie bei den zu übersetzenden Ausgangstexten im Voraus für ein paar Probleme weniger sorgen können. Auch wenn hier auf die Übersetzung ins Griechische eingegangen wird, gilt aber vieles davon ebenso für viele andere Sprachen.

Unterschiedliche Länge bei griechischen Texten

Wenn Sie selbst Texte schreiben, die später übersetzt werden sollen, ist es vorteilhaft, dafür zu sorgen, dass es genügend Platz für evtl. längere Texte gibt. Ein erfahrener Übersetzer kann zwar diese potenziellen Schwierigkeiten weitestgehend geschickt umgehen, aber es gibt auch viele standardisierte Formulierungen und Begriffe, die keinen Freiraum hinsichtlich der Textlänge zulassen, ohne dadurch das Verständnis erheblich zu beeinträchtigen. Als Faustregel kann man sich merken, dass eine griechische Übersetzung sprachbedingt meistens »länger« ist als der deutsche Ausgangstext.

Ist das Layout des Ausgangstextes genau auf die Länge der Ausgangstexte konzipiert worden, wird dies bei Buttons, Schaltflächen und derartigen Elementen in Websites zu nachträglichen Änderungen führen, d.h. wertvolle Zeit beanspruchen und Zusatzkosten verursachen.

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Abkürzungen in Griechisch-Übersetzungen

Nicht in jeder Sprache existieren leicht verständliche Abkürzungen. So sind im Griechischen Abkürzungen nicht gebräuchlich, es sei denn, es handelt sich um allgemein bekannte Abkürzungen, etwa von Behörden, um bekannte sprachliche Abkürzungen oder solche, die sich mittlerweile eingebürgert haben. Solche sind beispielsweise ABS, ESP, in der Kraftfahrzeugbranche oder USB, UPS in der Informatik oder die entsprechenden Abkürzungen für »usw.«, »ca.« und ähnlichen Wörtern.

Natürlich kann im Extremfall und unter Voraussetzungen eine Abkürzung im griechischen Text erfunden werden, aber viele Leser werden sie nicht (leicht) verstehen können.
Wenn man also als Verfasser eines Ausgangstextes einen deutschen Text mit einer großen Anzahl von selbst ausgedachten oder auch firmeninternen Abkürzungen erstellt, muss man dafür sorgen, die Bedeutung dieser Abkürzungen dem Übersetzer mitzuteilen und insb. damit rechnen, dass diese dann im griechischen Text ausgeschrieben werden, was zwangsläufig die Länge der übersetzten Texte beeinflussen wird. Es sei denn, die lokalen Mitarbeiter sind mit diesen Abkürzungen bereits vertraut.

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Einheitlichkeit der benutzten Fachbegriffe

Bei der Übersetzung von Dokumentationsunterlagen wird man als Übersetzer immer darauf aufmerksam gemacht, dass die Fachterminologie einheitlich übersetzt werden muss. Dies ist auch selbstverständlich. Nur, wenn im Ausgangstext alle möglichen Synonyme dieses Begriffes vorkommen, wird die Arbeit des Übersetzers unnötig schwieriger.

Dies wird insb. beim Einsatz von CAT-Tools deutlich. Obwohl das Ziel des Einsatzes eines solchen Tools die Kostensenkung und ferner die Einhaltung der Konsistenz ist, werden gerade bei nicht gewissenhafter Einhaltung der Konsistenz im Ausgangstext beide Ziele zugleich verfehlt: Zum einen, weil der Ausgangstext nicht konsistent ist, zum anderen, weil dann gerade deshalb Änderungen in bereits übersetzten Dateien erforderlich sein werden. Und Änderungen kosten dann natürlich Zeit und Geld.

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Einheitlichkeit hinsichtlich der Schreibweise

Man sollte aus Kostengründen im Voraus nicht nur alle Begriffe, die benutzt werden dürfen, eindeutig festlegen, sondern auch ihre Schreibweise.

Ein Beispiel dazu: Bei allen drei Schreibvarianten »Alufelge«, »Alu-Felge« und »Aluminiumfelge« (egal, welche davon nun richtig oder falsch ist – ich habe bereits alle drei in deutschen Texten gesehen) mag verständlich sein, dass es sich um ein und denselben Begriff handelt, aber ein CAT-Tool erkennt das nicht. Erst recht nicht, wenn es noch ein Synonym mit anderem Wortlaut dafür gäbe.

Stellen Sie sich nun einfach vor, dass nach vielen übersetzten Texten, in denen der Begriff »Alu-Felge« benutzt wurde, plötzlich stattdessen »Alufelge« vorkommt. Im Griechischen wird zwar keine Korrektur notwendig sein, denn es gibt dafür nur eine Schreibweise, aber da Sie wegen fehlender Griechischkenntnisse dafür nicht Ihre Hand ins Feuer legen können und die entsprechenden Segmente vom CAT-Tool nicht automatisch vorübersetzt werden können, müssen Sie die Texte nochmals dem Übersetzer übergeben. Ergebnis: Ihre wertwolle Zeit geht verloren.

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Software-Strings in Excel-Dateien

Software-Strings in Excel-Dateien sind sehr beliebt bei allerlei Menütexten. Was man hierbei vom Übersetzer verlangt, ist, anhand einer Excel-Liste von überwiegend kontextlosen Begriffen eine Übersetzung anzufertigen, die dann aber in einem bestimmten (dem Übersetzer aber leider meist unbekannten) Kontext benutzt wird. Selbst wenn man sich durch jahrelange Erfahrung Tricks aneignet, diese Schwierigkeiten zu überwinden, wäre es weniger riskant, wenn man ein paar Kommentare zu jenen Strings, die fehlinterpretiert werden könnten, schreiben würde, um Missverständnisse im Vorfeld auszuschließen.

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Auswahl eines erfahrenen Übersetzers

Allerdings hilft auch der bestmöglich vorbereitete Ausgangstext natürlich wenig, wenn dem Übersetzer nicht bewusst ist, dass seine übersetzten Texte ebenso eindeutig sein müssen wie der Ausgangstext. Dies ist umso wichtiger bei CAT-Tools, denn bei CAT-Tools wird bereits übersetzter Text in Dokumenten benutzt (wiederverwendet), die der Übersetzer evtl. nie sehen wird. Daraus wird verständlich, dass er in der Lage sein muss, immer einen Schritt weiter zu denken, wie etwa: »Wie könnte ich diesen Satz formulieren, so dass er (wie im Ausgangstext) problemlos auch zu einem anderen Kontext passt?« oder »Welchen der 3 bis 4 hier einsetzbaren Fachbegriffe sollte ich für den entsprechenden ausgangssprachlichen Begriff auswählen, damit er ohne meine Überprüfung weiterverwendet werden kann?«
Um stets die richtige Auswahl treffen zu können, muss man natürlich als Übersetzer eine gewisse Erfahrung haben, um eine möglichst eindeutige, aber gleichzeitig auch neutrale Formulierung (bzw. Begriff) zu finden, was auf den ersten Blick widersprüchlich scheint. Aber genau ein solches Wortspiel im guten Sinne ist doch das Salz in der Suppe eines erfahrenen Übersetzers :)
Um also eine möglichst große Wiederverwendbarkeit der übersetzten Texte zu erzielen, muss man bereits am Anfang des Bearbeitungsprozesses einen erfahrenen Übersetzer damit beauftragen. Wenn man sich erst viel später die Frage stellt, wieso denn trotz peinlicher Vorbereitung der Texte (s. o.) die angestrebten guten Vorübersetzungsquoten nicht erreicht werden können, ist es bereits zu spät und man hat mit dem Einsatz des CAT-Tools alles andere als Zeit und Geld gespart.

Denn Korrigieren ist zeitaufwendiger und demzufolge teurer als Übersetzen.

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